Dies Und Das…

BLogopädie von Jürgen Bernhardt

Dies Und Das… - BLogopädie von Jürgen Bernhardt

Phu Quoc und die unendliche Ruhe

Nach einer knappen Stunde im Probellerflieger sind wir auf dem erst ein Jahr alten Flughafen der Insel Phu Quoc angekommen. Ein für die Größe der Insel überdimensionaler Flughafen, der der dritte internationale Flughafen in Vietnam werden soll. Die Touristenschwämme ist vorprogrammiert.

Die Ruhe und Abgeschiedenheit auf der Insel im direkten Vergleich zu Saigon ist atemberaubend. Kein Lärm, kein Hupen (naja, fast keins) und keine Hektik. Hier gilt es, eine Woche am Strand zu erholen und die Seele baumeln zu lassen.

Da die Insel neben dem Pfefferanbau über Landesgrenzen hinweg für ihre Fischsoßen bekannt ist, mussten wir natürlich eine solche besuchen. Dazu muss man lediglich nach Duong Dong fahren und dann immer der Nase folgen :-) Beim Betreten der „Fabrikhalle“ stehen die riesigen Bottiche, fast an die großen Washbacks von Whisky Destillerien erinnernd. Auch das Aroma ist ähnlich streng, geht aber doch in eine ganz andere Richtung ;-)

Fischsoßen Fabrik in Phu Quoc

Fischsoßen Fabrik in Phu Quoc

Absolutes Muss ist eine Schnorcheltour in den Süden der Insel: mit John’s Tours ging es mit dem Boot zu einigen Korallenriffen und dem meines Erachtens schönsten Strand in Vietnam, dem „Bai Sao Beach“. Hier wurde das Paradies gebaut.

Bai Sao Beach

Bai Sao Beach

 

Beim Schnorcheln

Beim Schnorcheln

Glücklicherweise gibt es an unserem Hotel sehr viele kleine Restaurants, einige direkt am Strand, wo man bei Sonnenuntergang über dem Meer erst einmal sein – naja, vielleicht nicht erstes – Tiger bestellt. Das Ba Ba Ba finde ich als eines der schlechtesten Biere in Vietnam.

Mai House, Phu Quoc

Mai House, Phu Quoc

Mekong Delta und der Schlangenschnaps

Am letzten Tag der 13-tägigen Rundreise geht es von Saigon in den Süden ins Mekong Delta nach Cai Be. Von dort erkundeten wir den Mekong mit seinen vielen schmalen Wasserwegen und Kanälen in Richtung Vinh Long. Am Schwimmenden Markt aß ich wohl meine beste Mango (und ich habe sie fast täglich gegessen!).

Mekon Delta, Schwimmender Markt

Mekon Delta, Schwimmender Markt

Mekong Delta, Bananenhandel

Mekong Delta, Bananenhandel

Bei einem Zwischenstopp sahen wir, wie Reisschnaps und „Poppreis hergestellt wird, der im Übrigen SEHR lecker ist. Leider kam ich nicht umher, einen Schlangenschnaps zu probieren, schließlich sein er gut bei Rückenproblemen: Reisschnaps mit vielen (kompletten) Schlagen darin, mehrere Jahre gelagert. Da es scheinbar zur Zeremonie gehört, hat man mir erst die Inhalte aus dem Bottich gezeigt und dann daraus eingeschenkt. Überwindet man sich ihn zu probieren, stellt man fest, dass er gar nicht so schlecht ist. Erinnert leicht an einen „Magenbitter“. Bei der Tausendfüssler-Version bin ich aber dann doch ausgestiegen.

Schlangenschnaps

Schlangenschnaps

Am Abend dann der krönende Abschluss bei einem Dinner auf der „Bonsai I“, einer traditionellen Holz-Barke, die ca. 2 Stunden den Saigon Fluss entlang schippert, mit allem, was die vietnamesischen Kochtöpfe hergeben (und noch mehr).

Saigon und die Halskette

Gestern war unser Flug nach Saigon und fuhren direkt nach Ankunft zur Besichtigung der Tunnel nach Cu Chi entlang von nicht enden wollenden Kautschuk Plantagen. Es war im Amerikanischen Krieg (so nennen die Vietnamesen den Vietnam-Krieg) eine Hochburg der Partisanen. Oben standen die GIs und direkt unter ihnen war ein komplexes Tunnelsystem der Vietcongs gebaut. Mit Küche, Krankenhaus, Waffenschmiede etc.. Ich bin etwa 10 Meter im Tunnel entlang gekrochen, dann war ich nass geschwitzt von der stickigen Luft, der Temperatur und der Anstrengung. Die Tunnel waren sehr klein gebaut und ich hatte Mühe, dort entlang zu schleichen. Zum Glück hat Susui einen Rückzieher gemacht, als sie nach dem Einstieg den Tunnel sah und ich konnte ihr meinen Rucksack geben. Mit ihm wäre ich wahrscheinlich für immer verkeilt geblieben, quasi als neue Touristen-Attraktion.

Tunnel von Cu Chi

Tunnel von Cu Chi

Dann am Folgetag Mörderprogramm im Zentrum von Saigon: Wiedervereinigungspalast, Kathedrale Notre Dame, Hauptpost, Opernhaus, Chinatown, chinesischer Medizinmarkt, Binh Tay Markt, Thien Hu Pagode, Ben Thanh Markt, Palast des Jadekaisers. Ein ständiges Aus- und Einsteigen. Wir werden zwei Tage später an unseren freien Tag das Zentrum besser auf uns wirken lassen.

Saigon Rathaus

Saigon Rathaus

Da der Abend frei war, hatte ich freie Auswahl für ein Restaurant. Ich habe mich für das Nam Bo entschieden, ein vietnamesisches In-Restaurant: riesig, turbulent und jeden Abend brechend voll von Einheimischen. Doch leider war das auch der Abend, an dem wir viel Lehrgeld bezahlen mussten:

  • Das Restaurant ist etwa 3km vom Hotel entfernt. Wir wollten hinlaufen und zurück ein Taxi nehmen. Gesagt getan. Nach ca. 10 Minuten, wir liefen am Rand einer von Mopeds viel befahrenen Straße, kam uns ein Moped entgegen (quasi als Geisterfahrer, aber das ist nichts außergewöhnliches) und riss mit einem kurzen und gezielten Griff Susi’s Halskette herunter! Es ging alles so schnell und schon ist er wieder im Meer von Moped-Fahrer verschwunden. Das war es mit ihrer Lieblingskette mit einer neuen Perle aus Halong :-(
  • Ab diesem Zeitpunkte schwenkte die Stimmung. Susi wollte keinen Meter mehr laufen, und so rief ich ein Taxi für die verbleibenden etwa 2 km. Nun wurden wir abermals verarscht: der Fahrer sprach kein Wort englisch und gab uns bei Ankunft zu verstehen, dass es 400.000 Dong kostet (etwa 13 Euro). Es kam mir schon merkwürdig vor, aber was soll ich machen. Das Taximeter leif zwar mit, war aber sehr kryptisch. Schließlich bezahlte ich.

Das Nam Bo war glücklicherweise ein Volltreffer! Endlich mal wieder authentisches Essen! Es war brechend voll und wir waren die einzigen Langnasen. Spezialität ist gegrilltes Ferkel (viel kleiner/jünger als bei uns das Spanferkel). Wir haben uns aber für Tischgrill entschieden mit Nem dazu. War s-u-p-e-r!

Ferkel, werden dann noch über den Holzkohlengrill knusprig geröstet

Ferkel, werden dann noch über den Holzkohlengrill knusprig geröstet

Bei der Heimfahrt mit dem Taxi waren meine Sinne geschärft. Und siehe da, ich habe für den kompletten Heimweg 1/10 des Preises von vorher bezahlt. Gut, jetzt weiß ich bescheid und ein lehrreicher Tag geht zu Ende.

Nam Bo

Nam Bo

Erster Badetag und der Sonnenbrand

Heute standen etwa 200km auf der „A1“ Richtung Süden auf dem Programm. 200 km auf der Autobahn in Vietnam heißt nichts anderes als etwa 6 Stunden reine Fahrtzeit!

@Markus: seit ihr wirklich mal mit dem Schlafbus gefahren? RESPEKT!

Etwa zur Hälfte des Weges machten wir Stop in Son My, um das schreckliche Massaker der US Army bei My Lai zu besichtigen. Nicht schön. Zum Hintergrund: während des Vietnam Krieges galt das Gebiet als Vietcong-freundlich, sodass am 16. März 1968 Marines ein Dorf den Erdboden gleich machte, um den Tot einiger GI’s zu rächen. In Summe starben mehr als 500 unschuldige Vietnamesen, mehr als die Hälfte davon Frauen und Kinder. Die ausgestellten Bilder dort (von US Fotografen) zeigen die Grausamkeit ungeschönt (z.B. ein erschossener Vietnamese mit ausgetretenen Gedärme)

My Lai

My Lai

Beeindruckend unterwegs die vielen kleinen Dörfer mit ihren Märkten und den endlosen Reisfeldern.

Schließlich kommen wir in Quy Nhon an, wo wir einen freien Tag ohne Programm am Strand genießen können. Kein Streß beim Frühstücken, kein eiliges Kofferpacken, kein schon wartender Guide. Von unserem Balkon sehen wir direkt auf den Stand und das Meer, keine 5 Meter entfernt. Phantastisch!

Avani Resort

Avani Resort

Trotz dicken Sonnenschirm und Sonnencreme sehen wir jetzt allerdings aus wie zwei Garnelen nach dem Kochen…..

Hoi An und der Hund

Gleich frühmorgens geht es nach My Son, um die alte Kulturstätte der Cham zu besichtigen, die vom 4. bis 13. Jahrhundert religiöses Zentrum der Cham bildete (Hinduismus!)

Leider wurde diese UNESCO Weltkulturerbe im Vietnam-Krieg stark zerstört. Man sieht heute noch viele Krater links und rechts der noch stehenden Tempel. Mich hat das alles ziemlich geflashed, den Eindruck zu beschreiben bringt nichts, man muss es gesehen haben!

Cham Kulturstätte

Cham Kulturstätte

Anschließend steht Hoi An auf dem Programm, dessen Altstadt ebenfalls Weltkulturerbe ist. Unbedingt das Haus der Familie Tan besuchen: eine chinesische Familie, die in der 7. Generation dort noch lebt. Man kann das Haus fast komplett besichtigen, allerdings sollte man von zu neugierigen Blicken absehen, wenn die 92-jährige Ur-Oma ein Nickerchen im Schlafzimmer macht (so bei uns geschehen)

Küche in einem traditionellen vietnamesichen Haus

Küche in einem traditionellen vietnamesichen Haus

Krönender Abschluss in Hue An: unser Kochkurs im Secret Garden. Wahnsinnig geil!

Zuerst gingen wir mit unserer netten Köchin auf den Markt. Sie zeigte uns Früchte, Fisch und Fleisch und Zutaten. Das war mein Ding! Neben exotischen Früchten, frische Fische (werden am Abend wieder in den Fluss geworfen, wenn sie nicht verkauft wurden) und jegliches Fleisch wie Schweinefüße, Köpfe, Innereien, Wildschwein mit Fell und Hund. Wobei Hund eigentlich nur in Nord-Vietnam verspeist wird. Es war dem Einheimischen sichtlich unangenehm, dass wir dort stehen blieben und er scheuchte uns gleich weiter. Aber für ein Foto hat es gerreicht :-)

Markt in Hoi An

Markt in Hoi An

Dann haben wir unser feudales Abendessen unter fachkundiger und lustiger Anleitung zubereitet. Ein Spaß ohnegleichen!

Nem: vietnamesische Frühlingsrollen; alles selber gemacht, inklusive dem Reispapier :-)

Nem: vietnamesische Frühlingsrollen; alles selber gemacht, inklusive dem Reispapier :-)